|
4. Ergebnisse
In
diesem Kapitel werden die Ergebnisse der drei Untersuchungsmethoden
so aufbereitet, um Erkenntnisse über die Materialabhängigkeit
der Plasmaaktivierung, die Abhängigkeit der Aktivierung von der
Behandlungsdauer, sowie der Weiterverarbeitung nach der
Plasmabehandlung (Kleben und Lackieren) zu gewinnen.
Aufgeteilt
ist die Betrachtung in Kontaktwinkelmessung, Zugscherprüfung und
Gitterschnitttest.
4.1. Ergebnisse der
Kontaktwinkelmessung
Durch
die unterschiedlichen Behandlungszeiten (untersucht wurden
Aktivierungszeiten von 20 Sekunden, 2 Minuten, 10 Minuten und 20
Minuten) wird die Oberflächenenergie stark verändert.
Dieser Sachverhalt kann mit Hilfe der Kontaktwinkelmessung
dargestellt werden. Eine hohe Oberflächenenergie ist für
eine gute Haftung von Klebstoffen und Lacken unumgänglich.
Da
bei der Plasmaaktivierung auch die Werkstoffoberfläche von PE,
PP, PC, PMMA, ABS und PBT verändert wird, zeigen sich
Auswirkungen auf das Benetzungsverhalten von Wassertropfen.
In
dieser Arbeit wurde ein Tropfen aus destilliertem Wasser mit einer
Spritze und dünner Kanüle auf die Kunststoffoberfläche
aufgebracht und optisch vermessen.
Zur
besseren Darstellung wurde aus den 5 Einzelmessungen der Mittelwert
gebildet. Dieser Mittelwert wurde mit dem Mittelwert der gleichartig
behandelten Probe zusammengefasst. Dieser zweite Mittelwert ist in
der Tabelle, sowie den Abbildungen zu sehen (für weitere
Erläuterungen siehe Kap. 3.3)

Tab
4.1: Mittelwerte der Einzellmessungen des Kontaktwinkels
Die
in der Tabelle dargestellten Kontaktwinkel werden im folgenden
grafisch gegenübergestellt. Dabei wird der Kontaktwinkel
(y-Achse) über die Auslagerungsdauer für jeden einzelnen
Kunststoff (x-Achse) dargestellt.
In
dieser Betrachtung sollen Erkenntnisse über die Abhängigkeit
der Plasmaaktivierung von der Behandlungsdauer (im vorliegenden Fall
4 Behandlungszeiten) gewonnen werden.
Die
Abbildungen sind nach Kunststoff geordnet, beginnend bei PE, über
PP, PC, PMMA, ABS bis zu PBT. Die erste Abbildung bei jedem
Kunststoff zeigt die Ergebnisse der Kontaktwinkelmessung für
Proben, welche in PE-Beuteln gelagert wurden. Die zweite Abbildung
zeigt den Einfluss von UV auf die aktivierte Oberfläche, da die
Proben in Alufolie gelagert wurden.

Abbildung 4.1: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkelmessergebnisse über die Zeit bei PE für
das Auslagerungsmedium PE-Beute
PE-Proben,
die in PE-Beuteln gelagert wurden, zeigen keine Abhängigkeit der
Plasmaaktivierung von den untersuchten Behandlungszeiten. Dies zeigt
sich in den nahezu identischen Werten des Kontaktwinkels nach der
Aktivierung.
Über
den Auslagerungszeitraum von einem Tag bis zu 4 Wochen steigt der
Wert des Kontaktwinkels an. Abweichungen von dem theoretisch zu
erwartenden kontinuierlichen Anstieg liegen in den
Oberflächenveränderungen durch den Herstellungsprozess,
sowie in der optischen Auswertung des Kontaktwinkels begründet.
(vgl. hierzu Kap. 4.4 und Erläuterungen bei Abbildung
4.7)
Die
theoretischen Überlegungen treffen bei einer Aktivierungszeit
von 30 Sekunden zu. Die Oberflächenenergie wird bei dieser
kurzen Behandlungszeit nur geringfügig verändert. Dies
erklärt den geringen Wert des Kontaktwinkels nach der
Aktivierungsdauer, sowie den Anstieg über den untersuchten
Auslagerungszeitraum von 4 Wochen.

Abbildung 4.2: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkelmessergebnisse über die Zeit bei PE für
das Auslagerungsmedium Alufolie
Bei
der Auslagerung von PE-Proben in Alufolie wird deutlich, dass UV
keinen erkennbaren Einfluss auf die plasmaaktivierte Oberfläche
hat. Dies wird an den identischen Werten des Kontaktwinkels im
Vergleich zu den Betrachtungen bei Abbildung 4.1 deutlich.
Aufgrund dieser Tatsache gilt das für Abbildung 4.1
Dargelegte auch hier.

Abbildung 4.3: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkelmessergebnisse über die Zeit bei PP für
das Auslagerungsmedium PE-Beutel
PP
zeigt, dass es mit einem O2-Plasma nicht zufriedenstellend
zu aktivieren ist. Dies wird an den hohen Werten des Kontaktwinkels
nach der Aktivierung deutlich.
Es
ist ebenfalls keine Abhängigkeit der Plasmaaktivierung von der
Behandlungsdauer erkennbar, da die Werte nach der Aktivierung, sowie
über den untersuchten Auslagerungszeitraum im Rahmen der
Messungenauigkeit nahezu identisch sind (vgl. hierzu Kap. 4.4
und die Erläuterungen bei Abbildung 4.7)

Abbildung 4.4: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkelmessergebnisse über die Zeit bei PP für
das Auslagerungsmedium Alufolie
Bei
Auslagerung von PP-Proben in Alufolie zeigt sich, dass UV keinen
erkennbaren Einfluss auf die plasmaaktivierte Oberfläche hat.
Dies liegt darin begründet, dass PP mit einem O2-Plasma
nicht zu aktivieren ist.
Die
dargestellten Werte des Kontaktwinkels entsprechen nahezu denen der
Proben die in PE-Beuteln ausgelagert wurden. Aus diesem Grund gilt
das dort Gesagte auch hier.
Auffällig
ist, dass bei den 30 Sekunden aktivierten Proben der Wert des
Kontaktwinkels über den Auslagerungszeitraum leicht abfällt.
Da dieser Abfall jedoch im Bereich von 5° liegt, kann hier von
einem Messfehler gesprochen werden und nicht von einem UV-Einfluss
(vgl. hierzu Kap. 4.4, sowie Erläuterungen bei Abbildung
4.7)

Abbildung 4.5: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkelmessergebnisse über die Zeit bei PC für
das Auslagerungsmedium PE-Beutel
PC
zeigt, wie PE und PP zuvor, keine Abhängigkeit der
Plasmaaktivierung von der Behandlungsdauer.
Über
den untersuchten Auslagerungszeitraum steigt der Wert des
Kontaktwinkels an.
Ebenfalls
auffällig sind die Werte der 30 Sekunden aktivierten Proben.
Diese zeigen einen Abfall des Kontaktwinkels im Auslagerungszeitraum
von ein bis zwei Wochen. Da sich diese Abweichung im Bereich von 5°
bewegt, kann hierbei von einem Messfehler gesprochen werden (vgl.
hierzu Kap. 4.4 und Erläuterungen bei Abbildung 4.7)

Abbildung 4.6: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkelmessergebnisse über die Zeit bei PC für
das Auslagerungsmedium Alufolie
UV
zeigt bei den gelagerten PC-Proben keinen Einfluss auf die aktivierte
Oberfläche. Die Werte des Kontaktwinkels sind im Rahmen der
Messungenauigkeit (vgl. hierzu Kap. 4.4 und Erläuterungen
bei Abbildung 4.7) denen der Proben, welche in PE-Beuteln
gelagert wurden sehr ähnlich. Der Abfall des Kontaktwinkels bei
den 30 Sekunden aktivierten Proben zeigt sich wie zuvor in Abbildung
4.5 auch hier, weshalb die Behauptung des Messfehlers noch
untermauert wird.

Abbildung 4.7: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkelmessergebnisse über die Zeit bei PMMA für
das Auslagerungsmedium PE-Beutel
PMMA
lässt sich mit einem O2-Plasma nicht so gut
aktivieren wie PC, ABS und PBT. Dies wird an den höheren Werten
des Kontaktwinkels nach der Aktivierung im Vergleich zu den Werten
der übrigen untersuchten Kunststoffe deutlich.
Es
ist ebenfalls erkennbar, dass PMMA keine Abhängigkeit der
Plasmaaktivierung von der Behandlungsdauer zeigt, wie die Werte des
Kontaktwinkels nach der Aktivierung anschaulich darstellen. Diese
Aussage wird durch die Tatsache untermauert, dass der Wert des
Kontaktwinkels der 30 Sekunden aktivierten Proben auf dem gleichen
Niveau liegt, wie die Werte der 20 Minuten, 10 Minuten und 2 Minuten
aktivierten Proben.
Der
Abfall des Kontaktwinkels über den Auslagerungszeitraum
wiederspricht den theoretischen Erwartungen. Dies kann mit den
veränderten Wechselwirkungen der Oberfläche mit dem
Wassertropfen erklärt werden. Der Wert des Kontaktwinkels ist
sehr stark vom Dreiphasengleichgewicht (Oberfläche, Flüssigkeit
und Luft) abhängig. Da die Messungen in einem Chemielabor
während der dort stattfindenden chemischen Versuche durchgeführt
wurden, ändert sich die Zusammensetzung der Laborluft. Aufgrund
dieser Änderung einer Komponente des Dreiphasengleichgewichts
ändert sich wiederum der Kontaktwinkel, was sich wiederum auf
das Messergebnis auswirkt.

Abbildung 4.8: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkelmessergebnisse über die Zeit bei PMMA für
das Auslagerungsmedium Alufolie
UV
zeigt bei PMMA-Proben keinen erkennbaren Einfluss auf die Auslagerung
plasmaaktivierter Oberflächen. Die Werte des Kontaktwinkels sind
denen aus Abbildung 4.7 ähnlich, weshalb die dort
getroffenen Aussagen auch hier zutreffend sind.

Abbildung 4.9: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkelmessergebnisse über die Zeit bei ABS für
das Auslagerungsmedium PE-Beutel
ABS
zeigt ebenfalls keine Abhängigkeit der Plasmaaktivierung von der
Behandlungsdauer, da die Werte des Kontaktwinkels nach der
Aktivierung sehr dicht beieinander liegen.
ABS
zeigt mit Ausnahme der 30 Sekunden aktivierten Proben einen
kontinuierlichen Anstieg der Kontaktwinkelwerte über den
untersuchten Auslagerungszeitraum von 4 Wochen. Dies entspricht den
theoretischen Vorüberlegungen.
Die
Schwankungen bei den 20 Minuten und 30 Sekunden aktivierten Proben
lassen sich auf die bei diesem Kunststoff recht zahlreichen
Oberflächenveränderungen bei der Herstellung, sowie die
bereits zu Abbildung 4.7 (siehe dort) dargelegten
Erläuterungen zurückführen.

Abbildung 4.10: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkelmessergebnisse über die Zeit bei ABS für
das Auslagerungsmedium Alufolie
Werden
ABS-Proben in Alufolie gelagert, so zeigen die Werte des
Kontaktwinkels keinen Einfluss von UV auf die aktivierte Oberfläche
über den untersuchten Auslagerungszeitraum.
Die
großen Schwankungen der Werte bei den 10 Minuten und 20 Minuten
aktivierten Proben traten bereits zuvor bei den PE-Beutel Proben
(vgl. Abbildung 4.9) auf. Erklärt werden kann dies aufgrund von
Herstellungs- und Messfehlern (vgl. hierzu Kap.4.4 und
Erläuterungen bei Abbildung 4.7)

Abbildung 4.11: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkelmessergebnisse über die Zeit bei PBT für
das Auslagerungsmedium PE-Beutel
PBT
zeigt wie zuvor ABS, dass die Werte des Kontaktwinkels den
theoretischen Überlegungen sehr nahe kommen.
Der
Anstieg des Wertes des Kontaktwinkels bei allen Behandlungszeiten
über den Auslagerungszeitraum verläuft bei den 10 Minuten,
2 Minuten und 30 Sekunden Proben stetig. Eine Ausnahme von diesem
Anstieg wird bei den 20 Minuten aktivierten Proben sichtbar. Diese
lässt sich auf einen Messfehler zurückführen, der in
den Erläuterungen zu Abbildung 4.7 ausführlich
diskutiert wurde.

Abbildung 4.12: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkelmessergebnisse über die Zeit bei PBT für
das Auslagerungsmedium Alufolie
Bei
Auslagerung der PBT-Proben in Alufolie wird deutlich, dass UV keinen
Einfluss auf die aktivierte Oberfläche, sowie deren Lagerung
besteht. Vergleicht man die Werte der Abbildungen 4.11 und
4.12 wird deutlich, wie nahe diese beieinander liegen.
Über
den Auslagerungszeitraum von 4 Wochen gehen die Werte des
Kontaktwinkels, wie in den theoretischen Überlegungen vermutet,
nach oben. Diese Tatsache gilt bei PBT für alle
Behandlungszeiten.
In
den folgenden Abbildungen soll die Materialabhängigkeit der
aktivierten Oberflächen über den Auslagerungszeitraum
dargestellt werden. In dieser Betrachtung wird der Kontaktwinkel
aller untersuchten Kunststoffe bei einer Behandlungszeit
gegenübergestellt.
Da
in den Betrachtungen zuvor kein UV-Einfluss auf die aktivierte
Oberfläche festzustellen war, werden im Folgenden nur die Werte
des Kontaktwinkels der Proben dargestellt, welche in PE-Beuteln
gelagert wurden. Dies kommt dem Vorgehen in der Praxis deutlich
näher.

Abbildung 4.13: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkel über den Auslagerungszeitraum bei einer
Aktivierungsdauer von 20 Minuten bei allen untersuchten Kunststoffen
Abbildung
4.13 zeigt die untersuchten Kunststoffe, welche 20 Minuten
plasmabehandelt wurden.
Es
zeigt sich, dass das Material (in dieser Betrachtung PE, PC, ABS und
PBT) keine Abhängigkeit der plasmaaktivierten Oberfläche
zeigt. Dies wird an den dicht beieinanderliegenden Werten des
Kontaktwinkels deutlich.
Ebenfalls
bestätigt sich, dass PP und PMMA mit einem O2-Plasma
nicht zufriedenstellend zu aktivieren sind. Die Werte dieser beiden
Kunststoffe liegen deutlich über denen der übrigen
Kunststoffe.
Des
weiteren wird erkennbar, dass die Werte des Kontaktwinkels über
den Auslagerungszeitraum ansteigen, was die Vorüberlegungen
bestätigt. Abweichungen von diesem Anstieg lassen sich auf
Herstellungs- und Messfehler zurückführen (vgl. hierzu Kap.
4.4 und die Erläuterungen bei Abbildung 4.7).

Abbildung 4.14: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkel über den Auslagerungszeitraum bei einer
Aktivierungsdauer von 10 Minuten bei allen untersuchten Kunststoffen
Werden
die untersuchten Kunststoffe bei 10 Minuten Aktivierungszeit
gegenübergestellt, so zeigt sich, dass die Werte des
Kontaktwinkels für PE, PC, ABS und PBT sehr nahe beieinander
liegen. Somit zeigt sich auch bei einer Aktivierungszeit von 10
Minuten keine Materialabhängigkeit der Plasmaaktivierung.
Bestätigt
wird jedoch die Nichtaktivierbarkeit von PP und PMMA durch ein
O2-Plasma.
Schwankungen
der Werte lassen sich auf Herstellungs- und Messfehler (vgl. hierzu
Kap. 4.4 und Erläuterungen bei Abbildung 4.7)
zurückführen.

Abbildung 4.15: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkel über den Auslagerungszeitraum bei einer
Aktivierungsdauer von 2 Minuten bei allen untersuchten Kunststoffen
Werden
die untersuchten Kunststoffproben 2 Minuten aktiviert, so zeigt sich,
wie zuvor bei den Betrachtungen zu den 10 Minuten und 20 Minuten
aktivierten Proben, dass keine Materialabhängigkeit der
aktivierten Oberfläche gegeben ist.
ABS
und PBT bestätigen sehr gut die theoretischen Vorüberlegungen,
da die Werte des Kontaktwinkels kontinuierlich ansteigen.
Ebenfalls
wird erkennbar, dass der Wert des Kontaktwinkels nach der Aktivierung
bei PE, PC, ABS und PBT um 5 – 10° höher liegen. Bei
dieser geringen Änderung kann jedoch nicht von einer
Abhängigkeit der Aktivierung von der Behandlungszeit gesprochen
werden, sondern von einem Messfehler (vgl. hierzu auch die
Erläuterungen zu den Abbildungen 4.1 bis 4.12)
PP
und PMMA zeigen auch bei dieser Aktivierungszeit, dass sie mit einem
O2-Plasma nicht zu aktivieren sind.
Die
Schwankungen der Werte können auf Herstellungs- und Messfehler
zurückgeführt werden (vgl. hierzu Kap. 4.4 und
Erläuterungen bei Abbildung 4.7).

Abbildung 4.16: Gegenüberstellung
der Kontaktwinkel über den Auslagerungszeitraum bei einer
Aktivierungsdauer von 30 Sekunden bei allen untersuchten Kunststoffen
Werden
die unterschiedlichen Kunststoffproben 30 Sekunden aktiviert, so
zeigt sich, dass die Werte des Kontaktwinkels sehr nahe beieinander
liegen. Durch die geringe Behandlungszeit ändert sich die
Oberflächenenergie bei allen betrachteten Kunststoffen nur in
sehr geringem Umfang. Des weiteren wird die Werkstoffoberfläche
nicht in dem hohen Masse verändert, wie bei den 2 Minuten, 10
Minuten und 20 Minuten aktivierten Proben. Dies wirkt sich auf das
Benetzungsverhalten des Wassertropfens aus. In Folge dessen ergibt
sich ein höherer Kontaktwinkel.
PP
bestätigt auch hier, dass es mit einem O2-Plasma
nicht zu aktivieren ist. Die Werte des Kontaktwinkels für PMMA
bewegen sich bei dieser Aktivierungszeit jedoch auf dem Niveau der
übrigen Kunststoffe.
Schwankungen
der Werte sind auf Herstellungs- und Messfehler (vgl. hierzu Kap. 4.4
und Erläuterungen bei Abbildung 4.7) zurückzuführen.
4.2. Ergebnisse der Zugscherprüfung
Um
die Auswirkungen der Plasmavorbehandlung auf Klebeverbindungen zu
untersuchen, wurden unbehandelte, behandelte und gelagerte Proben mit
Zwei-Komponenten-Klebstoff der Firma DELO verbunden.
Geprüft
wurden diese Klebeverbindungen durch die Zugscherprüfung, die in
Kap. 2.5.2 näher erläutert sind.
Für
die Verklebungen wurden die beiden gleichartig behandelten und
gelagerten Zugstäbe miteinender 5 mm überlappend verklebt
(dargestellt in Kap. 2.5.2)
Bei
der Zugscherung hat sich gezeigt, dass die bei der
Kontaktwinkelmessung aufgezeigten Erkenntnisse hier ihre Bestätigung
finden, und so die Vorüberlegungen ebenfalls bestätigt
werden.
Proben,
die vor der Verklebung in Alufolie ausgelagert wurden, werden in
dieser Betrachtung nicht berücksichtigt, da der Klebstoff drei
Tage aushärten musste, was an Laborluft geschah. Dadurch sind
die Ergebnisse denen der zuvor in PE-Beuteln gelagerten Proben
identisch. Ebenso hat sich bereits bei der Kontaktwinkelmessung
gezeigt, dass UV keinen erkennbaren Einfluss auf die aktivierte
Kunststoffoberfläche hat.
Eine
weitere Besonderheit zur Kontaktwinkelmessung stellt die Tatsache
dar, dass nur die Kunststoffe PE, PP, PC, ABS und PBT untersucht
wurden. Die PMMA-Platten konnten nicht mit den zur Verfügung
stehenden Maschinen (Schlagschere und Oberfräse) bearbeitet
werden. Aus diesem Grund konnten von den PMMA-Platten keine Zugstäbe
hergestellt werden, weshalb dieser Kunststoff für diese
Betrachtung nicht zur Verfügung stand.
Vereinzelt
wurden die Proben auch gedehnt, ohne dass die Klebeverbindung
getrennt wurde. Bei diesen Proben wurde eine grafische Auswertung
vorgenommen, um den Anteil des Fehlers nicht im Ergebnis zu
minimieren (vgl. hierzu Kap. 4.4).
Tab.
4.2: Ergebnisse der Zugscherprüfung
In
den folgenden Betrachtungen wird neben der grafischen Auswertung der
Zugscherprüfung auch eine Betrachtung der Bruchfläche
durchgeführt. Anhand der Bruchfläche können
Rückschlüsse auf die Art des Bruches und daraus
resultierender Messfehler abgeleitet werden.

Abbildung 4.17: Gegenüberstellung
der Ergebnisse der Zugscherprüfung bei PE
PE
zeigt, dass eine Aktivierung mit einem O2-Plasma eine
geringfügige Erhöhung der Zugscherfestigkeit bringt, wie
die Werte der nicht aktivierten Proben im Vergleich zu den gelagerten
Proben zeigen.
Abgesehen
von den starken Schwankungen der Werte wird der Trend erkennbar, dass
mit zunehmender Auslagerungszeit die Zugscherfestigkeit merklich
abnimmt. Die Abnahme der Zugscherfestigkeit findet ihre Entsprechung
auch bei der Kontaktwinkelmessung (vgl. hierzu die Erläuterungen
bei Abbildung 4.1). Mit der Erhöhung des Kontaktwinkels
geht eine Erniedrigung der Oberflächenenergie einher, die sich
auf die physikalischen Wechselwirkungen der Oberfläche mit den
Klebstoffteilchen auswirkt. Diese Aussage konnte während der
Messung wahrgenommen werden, da die Zwick-Zugprüfmaschine den
Bruch der Klebeverbindung, aufgrund der geringen Adhäsion, nicht
erkennen konnte.
Die
großen Schwankungen der Werte rühren daher, dass die
Proben nicht nur geschert, sondern auch leicht gedreht wurden. Der
Anteil der Drehbewegung fließt ebenfalls in das Endergebnis mit
ein. Dies wird ersichtlich, wenn man sich vor Augen führt, dass
die Gesamtlänge der beiden Zugstäbe 180 mm betragen hatte,
und keine Halterung zur Verfügung stand, die diesen Effekt hätte
abmildern können (vgl. hierzu Kap. 3.1.4 und Abbildung
3.7).
Die
Bruchfläche für PE ist in Abbildung 4.18
dargestellt. Die Klebefläche (graue Bereiche in der Abbildung)
zeigt sehr schön Scherrisse und einen Restgewaltbruch, der auch
akustisch durch einen Knall bei der Messung zu hören war.

Abbildung
4.18: Bruchflächen zweier geprüfter Zugstäbe aus PE

Abbildung 4.19: Gegenüberstellung
der Ergebnisse der Zugscherprüfung bei PP
PP
bestätigt die zuvor bei der Kontaktwinkelmessung getroffenen
Erkenntnisse, dass PP mit einem O2-Plasma nicht zu
aktivieren ist.
Die
Werte der Zugscherfestigkeit bewegen sich im Bereich von 3 MPa, was
praktisch keiner Adhäsion entspricht. Dies konnte während
der Messung ebenfalls festgestellt werden, da die Trennung der
Klebeverbindung bei keiner Probe von der Zwick-Prüfmaschine
erkannt wurde. Die dargestellten Werte in Abbildung 4.19
wurden grafisch aus dem Prüfprotokoll.
Die
Nichtaktivierbarkeit von PP zeigt sich auch bei der Betrachtung der
Klebefläche. Wie in Abbildung 4.20 dargestellt, sind nur
noch am rechten oberen Rand Reste des grauen Klebstoffes zu sehen,
die übrige Klebstofffläche hat sich komplett von der
Kunststoffoberfläche gelöst. Bei einigen Proben, wo die
Klebefläche noch auf einer Seite zu finden war, löste sich
diese bei entsprechender Drehung der Probe komplett ab. Aufgrund
dieser Feststellungen wird deutlich, dass die Vorbehandlung keine
Auswirkung auf die PP-Oberfläche hatte und somit die
Klebstoffteilchen keine Verbindung mit der Oberfläche eingehen
konnten.

Abbildung
4.20: Bruchflächen zweier geprüfter Zugstäbe aus PP

Abbildung 4.21: Gegenüberstellung
der Ergebnisse der Zugscherprüfung bei PC
Bei
PC wurde bei allen Proben der Bruch der Klebeverbindung von der
Zwick-Prüfmaschine erkannt.
Unter
Berücksichtigung der 9 MPa Zugscherfestigkeit der nicht
plasmabehandelten Proben zeigt sich, dass die Aktivierung mit
O2-Plasma nur geringe Auswirkungen auf Klebbarkeit des Materials hat.
Ebenfalls deutlich wird dieser Sachverhalt über den untersuchten
Auslagerungszeitraum. Über diesen ändern sich die
Zugscherfestigkeitn nur in einem Bereich von
3
MPa.
Die
großen Schwankungen der Werte lassen sich auf die leichte
Drehbewegung der Probe während der Messung zurückführen.
Die
Bruchfläche der Proben (Abbildung 4.22) zeigte Spuren
einer Abscherung, sowie eines Gewaltbruches. Dieser Gewaltbruch der
Klebefläche konnte während der Messung durch einen lauten
Knall akustisch wahrgenommen werden.

Abbildung
4.22: Bruchflächen zweier geprüfter Zugstäbe aus PC

Abbildung 4.23: Gegenüberstellung
der Ergebnisse der Zugscherprüfung bei ABS
ABS
zeigt über den untersuchten Auslagerungszeitraum eine Abnahme
der Zugscherfestigkeit. Nach einer Lagerdauer von 4 Wochen ist
praktisch bei allen untersuchten Aktivierungszeiten keine Adhäsion
mehr vorhanden.
Die
Plasmaaktivierung bringt eine Verbesserung der Adhäsion. Diese
Steigerung nimmt jedoch mit zunehmender Auslagerung ab, was die
theoretischen Vorüberlegungen unterstreicht.
Schwankungen
in den Werten können auf die während der Messung erfolgte
Drehbewegung der beiden geklebten Zugstäbe zurückgeführt
werden.
ABS
zeigt bei der Zugscherprüfung eine Besonderheit. Die bereits
angesprochene Verbesserung der Adhäsion der Klebeverbindung
durch die Plasmaaktivierung zeigte, dass bei einigen Proben anstatt
der Klebefläche das Material gebrochen ist. Dies zeigt in
Abbildung 4.24 der linke tiefschwarze Balken. Dieser stellt
den Teil der Probe dar, der an Stelle der Klebeverbindung gebrochen
ist. Würde der tiefschwarze Balken auf die rechte Seite geklappt
fände er seine Entsprechung auf dieser Seite des Zugstabes.
Aufgrund dieser Tatsache gelten die dargestellten Messwerte nicht für
die Klebeverbindung, sondern für das Grundmaterial ABS selbst.

Abbildung
4.24: Bruchflächen zweier geprüfter Zugstäbe aus ABS

Abbildung 4.25: Gegenüberstellung
der Ergebnisse der Zugscherprüfung bei PBT
PBT
zeigt in dieser Vergleichsreihe der Kunststoffe die höchsten
Zugscherfestigkeiten. Im nicht aktivierten Zustand besitzt der
Kunststoff praktisch keine Adhäsion. Durch die Aktivierung mit
O2-Plasma steigen die Zugscherfestigkeiten bei allen
Aktivierungszeiten sehr deutlich von 2 MPa auf über 30 MPa an.
PBT
folgt ebenfalls den theoretischen Vorüberlegungen, indem die
Zugscherfestigkeiten über den untersuchten Auslagerungszeitraum
kontinuierlich absinken. Nach 4 Wochen Auslagerung wird jedoch im
Vergleich zu den übrigen Kunststoffen dieser Untersuchungsreihe
noch eine Zugscherfestigkeit von 20 MPa erreicht, was für eine
sehr gute Adhäsion und eine sehr gute Plasmaaktivierung spricht.
Die
Bruchfläche zeigt keine Anzeichen eines Scherbruches, sondern
nur einen Gewaltbruch. Da dieser einseitig beginnt, wurde dieser
Bruch durch die Drehbewegung ausgelöst, was in Abbildung 4.26
sehr gut an der rechten mittigen tiefschwarzen Fläche zu
erkennen ist, die von links außen in die Mitte der Probe
verläuft.

Abbildung
4.26: Bruchflächen zweier geprüfter Zugstäbe aus PBT
In
den folgenden Betrachtungen werden die untersuchten Kunststoffe bei
einer Aktivierungszeit gegenübergestellt, um Erkenntnisse
zwischen der Zugscherfestigkeit und dem verwendeten Material
aufzuzeigen.
Um
bei der bisherigen Systematik zu bleiben, werden auch in dieser
Betrachtung nur die Proben diskutiert, die vor der Verklebung in
PE-Beuteln gelagert wurden.

Abbildung 4.27: Gegenüberstellung
der Zugscherfestigkeit über den Auslagerungszeitraum bei einer
Aktivierungsdauer von 20 Minuten bei allen untersuchten Kunststoffen
Abbildung
4.27 zeigt die Zugscherfestigkeiten der untersuchten
Kunststoffe bei einer Aktivierungszeit von 20 Minuten.
In
dieser Abbildung wird deutlich, dass PBT durch die Aktivierung mit
einem O2-Plasma sehr gut aktiviert werden kann, was sich
sehr gut auf die Adhäsion auswirkt und infolgedessen sehr hohe
Zugscherfestigkeiten erreicht werden.
Eine
ebenfalls gute Adhäsion über den Auslagerungszeitraum
zeigen PC und ABS. PE zeigt in dieser Gegenüberstellung eine
geringe Zugscherfestigkeit, was für eine geringe Adhäsion
steht. Bei PP belegen die Daten, dass bei diesem Kunststoff keine
Adhäsion vorhanden ist.

Abbildung 4.28: Gegenüberstellung
der Zugscherfestigkeit über den Auslagerungszeitraum bei einer
Aktivierungsdauer von 10 Minuten bei allen untersuchten Kunststoffen
Abbildung
4.28 zeigt, dass bei einer Aktivierungszeit von 10 Minuten
keine Verbesserung der Adhäsion sichtbar wird. Die ermittelten
Zugscherfestigkeiten sind denen der 20 Minuten aktivierten Proben ehr
ähnlich. Dies zeigt, wie bereits bei der Kontaktwinkelmessung
festgestellt wurde, dass keine Abhängigkeit zwischen
Plasmaaktivierung und Behandlungsdauer festzustellen ist.
Weiterhin
zeigt sich, dass die verschiedenen Kunststoffe über den
Lagerungszeitraum von 4 Wochen eine zurückgehende
Zugscherfestigkeit zeigen, was für eine Abnahme der Adhäsion
steht.

Abbildung 4.29: Gegenüberstellung
der Zugscherfestigkeit über den Auslagerungszeitraum bei einer
Aktivierungsdauer von 2 Minuten bei allen untersuchten Kunststoffen
Abbildung
4.29 zeigt, dass bei einer Aktivierungszeit von 2 Minuten
keine Verbesserung der Adhäsion im Vergleich zu den 10 Minuten
und 20 Minuten aktivierten Proben sichtbar wird. Dies zeigt, wie
bereits bei der Kontaktwinkelmessung festgestellt wurde, dass keine
Abhängigkeit zwischen der Plasmaaktivierung und der
Behandlungsdauer festzustellen ist.

Abbildung 4.30: Gegenüberstellung
der Zugscherfestigkeit über den Auslagerungszeitraum bei einer
Aktivierungsdauer von 30 Sekunden bei allen untersuchten Kunststoffen
Abbildung
4.30 bestätigt die zuvor bei den Abbildungen 4.27
bis 4.29 angesprochenen Sachverhalte sehr gut. Die Adhäsion
liegt auch bei dieser geringen Aktivierungszeit auf dem gleichen
Niveau wie bei den Proben, die für längere Zeit mit dem
Plasma aktiviert wurden.
Die
Aktivierungszeit hat somit keine Auswirkungen auf die Adhäsion
der Klebeverbindung.
4.3Ergebnisse des Gitterschnitttests
In
Tabelle 4.3 sind die Ergebnisse des Gitterschnitttest
zusammengestellt. Bei den dargestellten Werten handelt es sich um
die Mittelwerte aus den jeweiligen Einzelmessungen. Durch die
Mittelwertbildung wurde eine Rundung der Ergebnisse durchgeführt,
was vereinzelt zu einer höheren Einstufung der Proben führt.
Da diese „Rundungsfehler“ in einem Bereich größer
Gt2 stattfinden, spielt dieser Fehler in der vorliegenden Betrachtung
nur eine untergeordnete Rolle. In der Praxis gelten
Gitterschnittkennwerte von Gt0 bis Gt1 als akzeptabel, liegen diese
Kennwerte über Gt2, so ist die Lackhaftung nicht ausreichend für
technische oder dekorative Anwendungen.
Die
Werte lassen nur Aussagen über die Lackhaftung des verwendeten
Airbrushlack zu.
Übertragbar
sind die Ergebnisse auf die in der Praxis eingesetzten Lacksysteme
nur begrenzt. Die Ergebnisse zeigen jedoch eine Tendenz auf, wie sich
die Haftung über die Auslagerung plasmaaktivierter
Kunststoffoberflächen verändert.
Tab.
4.3: Mittelwerte der Gitterschnittprüfung
Die
folgenden Abbildungen zeigen die Gitterschnittkennwerte bei einer
Aktivierungsdauer. Die Kennwerte sind auf der y-Achse dargestellt,
die x-Achse repräsentiert die Auslagerungszeit.

Abbildung 4.31: Gegenüberstellung
der Gitterschnittkennwerte aller Kunststoffe bei der Aktivierungszeit
20 Minuten
Bei
den vor der Lackierung für 20 Minuten aktivierten Proben zeigt
sich, dass mit zunehmender Auslagerung die Gitterschnittkennwerte im
praktisch nicht akzeptablen Bereich liegen. Große
Haftungsverluste zeigen sich bei PE, PP, ABS und PBT über den
betrachteten Auslagerungszeitraum.
Proben,
die im unbehandelten Zustand keine Lackabplatzungen zeigten, zeigten
auch über den betrachteten Auslagerungszeitraum keine erkennbare
Verschlechterung der Haftung, d.h. die Werte lagen unter Gt2. Dies
deutet darauf hin, dass die Lackhaftung nicht von der
Behandlungsdauer abhängt.

Abbildung 4.32: Gegenüberstellung
der Gitterschnittkennwerte aller Kunststoffe bei der Aktivierungszeit
10 Minuten
In
dieser Gegenüberstellung bestätigen sich die zum Teil bei
den vor dem Verkleben für 20 Minuten aktivierten Proben
(Abbildung 4.31) festgestellten Gitterschnittkennwerte.
Bei
den ausgelagerten Kunststoffen liegen weniger Proben im nicht
akzeptablen Bereich über Gt2. bei ABS bestätigt sich die
Tatsache, dass mit zunehmender Auslagerung der behandelten Oberfläche
die Haftung zurückgeht. Dies entspricht den theoretischen
Vorüberlegungen.

Abbildung 4.33: Gegenüberstellung
der Gitterschnittkennwerte aller Kunststoffe bei der Aktivierungszeit
2 Minuten
Bei
den vor der Verklebung 2 Minuten aktivierten Proben zeigt sich, dass
die Lackhaftung bei den gelagerten Proben teilweise besser wird, wie
die Gitterschnittkennwerte zeigen, die im Bereich von Gt2 liegen.
Bei
dieser Aktivierungszeit zeigte sich ebenfalls, wie bei den
Betrachtungen zuvor, (Abbildung 4.31 und 4.32), dass
dieselben Kunststoffe Lackabplatzungen über den
Auslagerungszeitraum zeigten. Durch diese Tatsache lässt sich
erkennen, welche Kunststoffe besser mit dem verwendeten Lacksystem
behandelt werden können und welche nicht.

Abbildung 4.34: Gegenüberstellung
der Gitterschnittkennwerte aller Kunststoffe bei der Aktivierungszeit
30 Sekunden
Bei
dieser Aktivierungsdauer bestätigen sich die Erkenntnisse, die
bei der Kontaktwinkelmessung zuvor getroffen wurden. Ebenso zeigt
sich, wie bei den theoretischen Vorüberlegungen angedacht, dass
über die Lagerdauer die Stabilität der Aktivierung
zurückgeht, was sich auf die Lackhaftung negativ auswirkt. Dies
ist an den hohen Gitterschnittkennwerten bei den 3 und 4 Wochen
ausgelagerten Proben erkennbar.
Die
Ergebnisse der Gitterschnittprüfung zeigen, dass die
untersuchten Kunststoffe mit dem verwendeten Airbrushlack lackiert
werden können.
Abhängigkeiten
zwischen der Lackierbarkeit und der Aktivierungsdauer sind für
jeden in dieser Arbeit untersuchten Kunststoff verschieden (vgl.
hierzu die Erläuterungen zu Abbildungen 4.31 bis 4.34).
Vergleicht
man die Gitterschnittkennwerte der gelagerten Proben mit den nicht
vorbehandelten Proben, so ist bei PE und PBT eine Verbesserung zum
einen durch die Plasmaaktivierung, als auch durch eine kurze
Lagerdauer feststellbar.
Sehr
gut lackierbar mit dem verwendeten Airbrushlack sind die Kunststoffe
PC und PMMA.
Keinen
erkennbaren Vorteil bringt die Wahl des Auslagerungsmediums. Die
Kennwerte der Proben, welche in PE-Beuteln gelagert wurden, sind
denen der Proben, welche in Alufolie gelagert wurden, sehr ähnlich.
Die Schwankungen bewegen sich im Rahmen der Messgenauigkeit, da die
Kennwerte optisch durch Vergleich mit der Kennwerttabelle ermittelt
wurden.
Die
folgende Abbildung zeigt eine Vergrößerung des Bereiches
auf dem Zugstab zur Bestimmung des Gitterschnittkennwertes. Diese
Vergrößerung stammt von einem PE-Zugstab der für 20
Minuten aktiviert und für eine Wochen ausgelagert wurde. Dieser
Ausschnitt zeigt einen von drei auf der Probe verteilten
Gitterschnitte zur Bestimmung des Gitterschnittkennwertes. Sehr gut
erkennbar sind die Furchen durch die Schneiden, sowie die Späne
des Grundmaterials, die nicht durch den Tesafilm mit abgezogen
wurden. Für die Bestimmung des Gitterschnittkennwertes wurde
eine Lupe verwendet, ebenso wurde der Tesafilm mit in die Ermittlung
des Kennwertes mit einbezogen.

Abbildung 4.35: Vergrößerung
eines PE-Zugstabes zur Bestimmung des Gitterschnittkennwertes
4.4Probleme bei der
Versuchsdurchführung
Wie
bereits in den Betrachtungen bei der Kontaktwinkelmessung, der
Zugscherprüfung und des Gitterschnitttest angesprochen, traten
einige markante Punkte auf. Die festgestellten Abweichungen haben
ihre Ursache in der nicht glatten, ebenen Oberfläche der
Zugproben.
Da
die Kunststoffe in Form von Platten angeliefert wurden, mussten aus
diesen die für die Untersuchungen notwendigen Zugstäbe
hergestellt werden. Die Herstellung gliederte sich in 2 Teilschritte.
Erstens wurden die großen Platten mit der Schlagschere in die
Größe gebracht, die für die Oberfräse günstig
war. Aus diesen verkleinerten Platten wurden im zweiten Schritt die
Zugstäbe gefräst.
Durch
die nicht veränderbare Vorschubgeschwindigkeit der Fräse
wurden die Kunststoffe durch diesen Prozess unterschiedlich stark
beansprucht. Des weiteren blieben bei PE, PP, PC und ABS Späne
an den Proben haften. Die Entfernung der Späne erfolgte in
warmem Wasser, ohne Spülmittelzusatz. Durch Spülmittelzusatz
wären die Kontaktwinkelmessergebnisse verfälscht worden,
wie Vorversuche gezeigt haben. Getrocknet wurden die Proben mit einem
handelsüblichen Geschirrtuch.
Durch
die zuvor beschriebenen Maßnahmen wird deutlich, weshalb die
Oberfläche Riefen und Kratzer aufwies. Da die
Kontaktwinkelmessung sehr empfindlich auf Oberflächeneunebenheiten
reagiert (erläutert in Kap. 2.2.3), ergeben sich große
Schwankungen der 5 Messtropfen, die auf die Probe aufgebracht wurden.
Sehr
gut sind die sehr zahlreich auftretenden Riefen und Kratzer auf der
Kunststoffoberfläche in den beiden Abbildungen erkennbar.

Abbildung 4.36: Kratzer und Dellen
auf einem gefrästen ABS-Zugstab

Abbildung
4.37 : Kratzer auf einem gefrästen ABS-Zugstab
Für
die Zugscherfestigkeit wurden die Schultern der Zugstäbe 5 mm
überlappend verklebt.
Der
Übergang von der Zugscherung in den Dehnungsbereich des
Kunststoffes ist sowohl im Diagramm, als auch optisch in Form der
Einschnürung erkennbar. Diese Besonderheit wurde durch manuelle
Auswertung des Messprotokolls minimiert. Dieser Sachverhalt geht
jedoch in die Versuchsergebnisse mit ein.

Abbildung
4.38: Dehnung eines Zugstabes von ABS bei der Zugscherprüfung
Bei
ABS trat die Besonderheit auf, dass das Material selbst an der
Klebefläche gebrochen ist, so dass bei diesen Proben der Bruch
des Materials angegeben ist, und nicht der Bruch der Klebeverbindung,
da diese weiterhin intakt ist. Die folgende Abbildung zeigt die
Draufsicht auf die Draufsicht auf die Bruchfläche, die im oberen
Teil leicht grau zu erkennen ist. Schwarz eingefärbt darunter
ist der andere Zugstab. Am rechten Rand in der Mitte ist ein Wulst
aus Klebstoff zu sehen, der durch das Zusammendrücken der beiden
Kunststoffhälften erzeugt wurde.

Abbildung
4.39: Bruchfläche eines ABS-Zugstabes der Zugscherprüfung
|