|
3. Experimenteller Teil
3.1. Geräte und
Anlagen
3.1.1. Plasmaanlage
„Pico“
Bei
der Plasmaanlage handelt es sich um das Modell „Pico“ der
Firma Diener electronic. Diese Anlage kann neben der Aktivierung auch
zur Reinigung, Oberflächenätzung und zum Beschichten von
Oberflächen verwendet werden. Die Anlage besitzt ein
Kammervolumen von 5 Litern. Die zylinderförmig aufgebaute Kammer
hat eine Tiefe von 320 mm und einen Durchmesser von 150 mm. Die
Anlage besitzt einen Hochfrequenzgenerator mit 40 kHz und 200 W. Die
Generatorleistung kann in einem Bereich von 0 W bis 200 W variiert
werden. Im Inneren der Kammer befindet sich eine Elektrode, die die
Zündung des Plasmas ermöglicht. Für die
Vakuumerzeugung wird eine Drehschieberpumpe verwendet, die eine
Saugleistung von 2,5
besitzt, die Motorleistung beträgt 280 W. Der Plasmaprozess
verläuft in 3 Schritten, wie er in Abbildung 3.1
dargestellt ist.

Abbildung 3.1: schematische
Darstellung des Plasmaprozesses in einer Niederdruckplasmaanlage
Teilbild
1: Durch Evakuierung der Kammer (roter Pfeil) wird der
Arbeitsdruck erzeugt
Teilbild 2: Wenn der
Arbeitsdruck konstant ist, wird das Gas zur Erzeugung des Plasmas in
die Kammer geleitet und das Plasma gezündet. Die Einwirkzeit des
Plasmas richtet sich nach dem Material und den Anforderungen an die
Vorbehandlung
Teilbild
3: Zur Entnahme des aktivierten Bauteils wird die Kammer belüftet
In
Abbildung 3.2 ist schematisch das Aufbauprinzip der
verwendeten Niderdruckplasmaanalge dargestellt.

Abbildung
3.2: schematischer Aufbau einer Niederdruckplasmaanlage
Im
Folgenden ist schematisch der Vorgang der Reinigung (Teilbild 1) und
Aktivierung (Teilbild 2) dargestellt. Es ist erkennbar, dass durch
das Plasma ein gewisser Reinigungseffekt der Oberfläche vor der
eigentlichen chemischen Reaktion des Plasmas mit der Oberfläche
stattfindet. Das Ergebnis, eine rückstandsfreie Oberfläche
zeigt (Teilbild 3).

Abbildung 3.3: schematischer Ablauf
der Aktivierung einer Kunststoffoberfläche mittels
Sauerstoffplasma
Das
folgende Abbildung 3.4 zeigt die verwendete Anlage in Betrieb:

Abbildung
3.4: Plasmaanlage „Pico“ der Firma Diener electronic
3.1.2. Airbrushanlage
Für
die Lackierung wurde eine Handairbrushanlage verwendet, die mit einem
kleinen Fließbecher ausgestattet ist. Die Druckluftzufuhr
erfolgt über ein Nadelventil, das direkt mit der zentralen
Druckluftversorgung der Hochschule Aalen verbunden wurde. Der Druck
für die Applikation des Lackes beträgt 1,5 – 2 bar.
Dieser ist nötig, um eine gleichmäßige Schicht zu
erreichen und den Overspray möglichst klein zu halten.

Abbildung
3.5: Airbrushanlage
3.1.3. Geräte für
den Gitterschnitt
Für
die Gitterschnittprüfung wurde ein Handprüfgerät der
Hochschule Aalen verwendet, das in Abbildung 3.6 dargestellt
ist.
Die
Proben wurden mit einem Tesastreifen versehen und beide Flächen
(Tesafilm und Probenflächen) wurden mit einer Lupe begutachtet.

Abbildung
3.6: Gitterschnittprüfgerät
3.1.4. Kontaktwinkelmessgerät
Für
die Kontaktwinkelmessung wurde ein Prüfgerät der Firma
Krüss verwendet. Die Probe wurde hierbei durch die im Bild
schwarz dargestellte Lampe beleuchtet. Die Probe befand sich in dem
grauen Kasten in der Bildmitte. Die Auswertung erfolgte optisch
mithilfe einer Einstellscheibe mit Goniometer am Okular, die in der
Abbildung links oben erkennbar ist.

Abbildung
3.7: Kontaktwinkelmessgerät der Firma Krüss
3.1.5. Geräte für
die Zugscherprüfung
Für
die Zugscherprüfung wurde die an der Hochschule Aalen zur
Verfügung stehende Zugprüfmaschine der Firma Zwick
verwendet. Bei der Messung kam eine 100 kN Messdose, sowie der
Traversenwegaufnehmer zum Einsatz. Ausgewertet wurden die Daten der
Maschine mit Hilfe eines PC auf dem die Zwick Steuer-Softwareversion
11 installiert war, sowie optisch durch Auswertung des
Prüfprotokolls.

Abbildung 3.8: Zwick
Zugprüfmaschine für Zugscherprüfung, abgebildet ist
ebenfalls ein Zugstab aus Polycarbonat
3.2. Probenherstellung
Für die Versuche wurden folgende
Materialien verwendet:
Polyethylen PE als Platte mit den
Massen 2000*1000 mm
Polypropylen PP als Platte mit den
Massen 2000*1000 mm
Polycarbonat PC als Platte mit den
Massen 2000*1000 mm
Polymethylmethacrylat PMMA als Platte
mit den Massen 2000*1000 mm
Acrylnitril-Butadien-Styrol ABS als
Zugstäbe, hergestellt von der Firma BASF
Polybutylenterphthalat PBT als
Zugstäbe, hergestellt von der Firma BASF
Aus
den Platten, die von der Firma Merck&Partner geliefert wurden,
wurden mit Hilfe einer Oberfräse der Firma isel automation
Zugstäbe hergestellt.

Abbildung
3.9: Zugstab aus PBT, hergestellt von der Fa. BASF

Abbildung 3.10: Oberfräse der
Fa. Isel automation des Studienganges Elektrotechnik der Hochschule
Aalen
Die
Zugstäbe wurden nach dem Fräsen von noch anhaftenden Spänen
befreit und anschließend mit lauwarmem Wasser gereinigt.
Getrocknet wurden die Proben vorsichtig mit einem handelsüblichen
Geschirrtuch.
Zur
Vorbeugung gegen Verstauben wurden die Proben bis zu deren Verwendung
in Kartons gelagert.
3.3. Versuchsdurchführung
Zuerst
wurde ein Beschriftungssystem der Proben entwickelt, um den
verschiedenen Parametern Rechnung zu tragen.
Dieses
ist wie folgt aufgebaut:
PP-ttt-xx
Hierbei
steht PP für den verwendeten Kunststoff, z.B. Polyethylen PE,
ttt
steht für die Aktivierungsdauer von z.B. 10 Minuten (dargestellt
10m) und x für eine Probe, die später lackiert oder
verklebt werden soll (die Symbole K für Kleben und L für
Lackieren); x steht für die Probennummer (1 bis 4).
Mit
den fortlaufenden Nummern x1 – 4 ist die jeweilige Lagerungsart
gemeint. PE-Beutel haben die Nummern 1 – 2, Proben. Proben die
in Alufolie ausgelagert wurden, tragen die Nummern 3 – 4.
Die
Zugproben wurden vor der Plasmaaktivierung mittels des
Kontaktwinkelmessgerätes der Firma Krüss vermessen.
Die
Plasmabehandlung erfolgte getrennt nach den jeweiligen Kunststoffen.
Jeweils 4 Proben der Bezeichnung L1 – L4 bzw. K1 – K4
wurden behandelt.
Die
Proben wurden nach ihren jeweiligen Auslagerungszeiten (30s, 2min,
10min, 20min) erneut mittels des Kontaktwinkelmessgerätes
vermessen. Danach wurden sie direkt in ihre entsprechenden
Auslagerungsbehältnisse, zum einen ein PE-Beutel der Firma
Fischer scientific und Alufolie aus dem Haushaltswarengeschäft
eingepackt und in Kisten für einen Tag bis maximal vier Wochen
in Laborschränken gelagert.
Nach
der jeweiligen Lagerungsdauer wurden die Proben erneut mittels der
Kontaktwinkelmessmethode geprüft und den nachfolgenden
Behandlungsschritten, Lackieren und Verkleben, zugeführt.
Die
Verklebungen wurden mit einem Epoxidharzklebstoff mit der Bezeichnung
DELO-DUOPOX AD895 der Firma DELO durchgeführt. Als Prüfmethode
diente die Zugscherprüfung, bei der jeweils zwei Zugstäbe
an den Schultern 5 mm überlappt verklebt wurden. Der Klebstoff
besitzt laut Hersteller eine Aushärtungszeit von drei Tagen, die
für die Proben eingehalten wurde. Der Klebstoff ist universell
für alle verwendeten Kunststoffe geeignet und härtet bei
Raumtemperatur aus. Um eine gleichmäßige Kraft auf die
Klebefläche zu bringen, wurden Schlauchklemmen in den drei Tagen
Aushärtungszeit verwendet.
Für
die Prüfung kam die Zwick-Zugprüfmaschine der Hochschule
Aalen zum Einsatz. Das Prüfprogramm wurde gemäß der
DELO-Norm 39 angepasst.
Die
übrigen Proben wurden mittels eines Revell-Airbrushlackes Nr:
31136 karminrot, matt lackiert und anschließend getrocknet. Zur
Prüfung der Haftung des Lackes wurde ein Gitterschnittgerät
der Hochschule Aalen verwendet.
3.4. Statistik
Um
verlässliche Aussagen zu bekommen wurden sowohl bei der
Kontaktwinkelmessung als auch bei der Zugscherprüfung zwei
Zugstäbe pro Auslagerungsmedium geprüft.
Bei
der Kontaktwinkelmessung wurden auf jeder Probe fünf Messpunkte
in Form eines Tropfens aus destilliertem Wasser gesetzt. Aus diesen
fünf Messungen wurde der Mittelwert gemäß folgender
Formel ermittelt:
[3.1]
wobei
die Summe der Messergebnisse darstellt und
die Zahl der Messpunkte.
|