|
2. Grundlagen
2.1. Plasmen und ihre
Eigenschaften
2.1.1. Vorkommen von
Plasmen
Der
überwiegende Teil der Materie im Weltall ist hochionisiert,
liegt also als Plasma vor. Dieses Phänomen tritt bereits
oberhalb von 100 km über der Erdoberfläche auf.
Plasmen
kommen des weiteren als folgende Erscheinungen vor:
Blitze
Flammen
Polarlicht
in der Ionosphäre
Den
Plasmen liegen folgende physikalischen Phänomene zugrunde.
Wird
die Temperatur stark erhöht, so schließt sich an die drei
klassischen Aggregatzustände (fest, flüssig, gasförmig)
ein weiterer an, der des Plasmas. Es gibt keinen scharfen Übergang
zwischen Gas und Plasma, jedoch steigt der Ionisierungsgrad in einem
Bereich von einigen 1000 K von fast null auf fast eins an. Wenn
zusätzlich noch der Druck stark erhöht wird, werden noch
weitere Aggregatzustände erreicht, in denen die Materie ganz
neue Eigenschaften entwickelt. Dies sind das Fermi-Gas und das
Neutronengas.
Plasmen
enthalten gleich viele positive wie negative Ladungen, sind also nach
außen neutral. Die positive Ladung umgeben viele negative
Ladungen in Form der Debeye-Hückel-Wolke und umgekehrt. Wenn
Atome mit hoher Elektronenaffinität vorhanden sind, so lagern
sich die von positiven Ionen abgespaltenen Elektronen an sie an. Das
Plasma besteht dann aus Ionen mit den Vorzeichen der beiden Spezies.
Bei hoher Temperatur gibt es nur noch positive Ionen und Elektronen,
da die Ionisierung die Außenschalen aller Atome erfasst. Durch
die geringe Masse der Elektronen im Vergleich zu den Ionen bewegen
sich die Elektronen wesentlich schneller, dies gilt bei thermisch
induzierter Bewegung wie auch im elektrischen Feld. Dabei fliegen die
Elektronen quasi durch ein unbewegliches Ionengitter, das im
Unterschied zu einem Festkörper ungeordnet ist.
Plasmen
bestehen aus mindestens drei Teilsystemen:
dem Elektronengas
dem Ionengas
dem Neutralgas
Diese
drei Teilsysteme stehen jedoch nicht immer untereinander im
Gleichgewicht, selbst dann nicht, wenn innerhalb jedes Systems ein
solches Gleichgewicht besteht.
[JAN92]
2.1.2. Hauptmerkmale des Plasmazustandes
Die
Bezeichnung Plasma wurde von Langmuir für einen „leuchtenden,
hochionisierten Teil einer Gasentladung“ gewählt. Der
Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie „Gebilde“
oder „Bildwerk“.
Die
Definition des ionisierten Gases bzw. des vierten Aggregatzustandes
ist leicht irreführend, da ein Plasma kein Gas ist, und die
Existenz von Ladungsträgern mit der daraus folgenden
elektrischen Leitfähigkeit nur ein notwendiges Plasmamerkmal
berührt.
Für
ein Plasma gelten jedoch die folgenden Merkmale:
erhöhter Gehalt an
Ladungsträgern, damit das Gebilde Plasma gegenüber einem
Gas neue Eigenschaften aufweist, z.B. indem es den elektrischen
Strom leitet, ein Magnetfeld um sich herum aufbaut oder
elektromagnetische Wellen emittiert;
es besitzt eine „Quasineutralität“,
d.h. es liegt die gleiche Konzentration an positiven und negativen
Ladungsträgern je Volumenelement vor;
ein erhöhter Energiegehalt als
Folge der Tatsache, dass ein Plasma sich erst nach Energiezufuhr
bildet;
Ausbildung von
Gleichgewichtszuständen, besonders eines stationären
Zustands von Ladungsträger-Bildung und –Rekombination;
Existenz von
Energieverteilungsfunktionen der Plasmabestandteile, wodurch eine
Möglichkeit zur Charakterisierung des Plasmas bei
unterschiedlichen Temperaturen möglich ist.
Die
Ausbildung von Gleichgewichtszuständen, sowie die Existenz von
Energieverteilungsfunktionen der Plasmabestandteile stellen auch die
Grundlage für einige Plasmakriterien dar. Dies sind:
räumliche
Ausdehnung des Plasmas längs mehrerer mittlerer freier Weglängen
bzw. längs mehrerer Relaxationsstrecken;
elastische
und unelastische Wechselwirkungen der Plasmabestandteile
untereinander;
Aufrechterhaltung
des Plasmazustandes über einen bestimmten Zeitraum, um eine
Gleichgewichtsausbildung zu gewährleisten, die Größenordung
liegt bei einigen µsec und darunter
Die
angeführten Merkmale stellen keine strenge Norm für die
Charakterisierung von Plasmen dar, sie sollen sie lediglich greif-
und begreifbar machen. [FRA04]
2.1.3 Anwendung von
Plasmen
Künstlich
erzeugte Plasmen finden in folgenden technischen Bereichen Anwendung:
in
Gasentladungslampen
Plasmaätzen
in der Halbleiterindustrie zur plasmainduzierten Materialabscheidung
Aufbringen
von Funktionsschichten bei Verspiegelungen und
Anti-Haft-Beschichtungen
Oberflächenmodifizierung
Oberflächenhärtung
Plasmaoxidation
Spurenanalytik
in der Chemie (ICP-OES, ICP-MS)
Vor
einer Verklebung wird häufig die Plasmaaktivierung der
Oberfläche durchgeführt, um eine gute Adhäsion zu
erhalten. Hierfür wird meist ein Niederdruckplasma verwendet, da
dieses physikalisch-chemisches Verfahren für Kunststoffe,
Metalle und Keramiken angewendet werden kann. Die zu verklebende
Substratoberfläche sollte sauber sein. Als Reinigungsverfahren
werden je nach verwendetem Material das Entfetten, Bürsten und
Schleifen, sowie das Beizen eingesetzt.
Die
gereinigte und aktivierte Bauteiloberfläche erfährt durch
diese Behandlungsschritte eine deutliche Adhäsionsverbesserung.
[DEL02]
2.1.4. Einteilung von
Plasmen
Die
Einteilung der unterschiedlichen Plasmaformen geschieht nach mehreren
Kriterien. In der Natur vorkommende Plasmen variieren in ihrer Dichte
um mehr als zehn Größenordnungen. Eine extrem hohe Dichte
besitzt das Plasma im Sonneninneren. Eine extrem niedrige Dichte
besitzt das Plasma interstellarer Gasnebel. Entsprechend groß
sind die Unterschiede in den physikalischen Eigenschaften. Ein
Schlüsselparameter zur Unterscheidung von Plasmen ist der
Gasdruck.
In
der Praxis werden die folgenden Plasmaarten unterschieden.
2.1.4.1. Niederdruckplasma
Sie
werden in verdünnten Gasen erzeugt, deren Druck niedriger liegt
als der Atmosphärendruck.
Bei
einer Niederdruckplasmaanlage sind deutlich weniger Teilchen
vorhanden als bei einer Atmosphärendruckplasmaanlage. Die
Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes der Plasmateilchen ist
deutlich geringer und der Druck liegt deshalb im Feinvakuumbereich,
der von
Pa reicht. Die meisten Niederdruckplasmen sind sogenannte „kalte
Plasmen“, da sich durch die geringe Anzahl an Stößen
die Elektronen nur zu einem geringen Teil erwärmen.
Eine
besondere Form des Niederdruckplasmas stellt die Glimmentladung dar.
Für diese Art wird eine Hochspannungsquelle benötigt.
Die
Glimmentladung benötigt Ströme von 1 mA bis 100 mA. Die
Spannung für die Entladung liegt im Bereich von 70 V bis 1000 V,
der Gasdruck bei
Pa.
Der
Aufbau der Vakuumkammer einer Niederdruckplasmaanlage sieht eine
Elektrode im Inneren der Kammer vor, wohingegen die Kammerwand als
Gegenelektrode bzw. Erdpotential fungiert. [MEY05]
2.1.4.2. Weitere
Plasmaarten
Hochdruckplasma:
Bei
Hochdruckplasmen ist der Druck des Gases höher als der
Atmosphärendruck. Dieser Effekt wird z.B. in Hochdrucklampen
genutzt.
Atmosphärendruckplasma:
Atmosphärendruckplasmen
werden bei Atmosphärendruck erzeugt. Eine typische Anwendung
stellt die dielektrisch behinderte Entladung dar, die z.B. bei der
Bearbeitung von Kunststoffen eingesetzt wird. Ebenso wird der Effekt
beim Lichtbogenschweißen genutzt. [MEY05]
2.2. Grenzflächenphänomene
und Kontaktwinkel
Über
eine vektorielle Betrachtung (dargestellt in Abbildung 2.1) der
Wechselwirkungskräfte zwischen den einzelnen Molekülen der
Oberflächenschicht zeigt sich, dass sich diese Moleküle in
einem spezifischen energetischen Zustand befinden. Aus diesem Zustand
resultiert die sogenannte Oberflächenspannung. Infolge der
Oberflächenspannung ist es möglich, Moleküle aus dem
Volumenverband an die Grenzfläche zu bringen. Die
Oberflächenspannung ist experimentell nicht direkt zugänglich,
weshalb Umwege für die Ermittlung nötig sind.
Aus
der geometrischen Situation der Grenzfläche wird deutlich, dass
der Energiezustand der Oberflächenmoleküle anders ist als
der der Moleküle im Inneren. Im Inneren kompensieren sich die
zwischenmolekularen Kräfte vektoriell, in der Oberflächenschicht
nicht. Dies liegt darin begründet, dass die Oberflächenmoleküle
keine direkten Nachbarn besitzen, weshalb sie eine Zugspannung
senkrecht zur Oberfläche erfahren. Durch diese Tatsache
resultiert ein Energiegewinn durch Verkleinerung der Oberfläche.
Grenzflächenerscheinungen
sind von den Aggregatzuständen abhängig. Diese sind
fest/flüssig und flüssig/gasförmig. [DOER94]

Abbildung 2.1: Vektorielle
Definition der Oberflächenspannung von Flüssigkeiten und
Festkörpern [DOER94]
In
dieser Abbildung ist sehr gut erkennbar, dass die Kräfte an der
Oberfläche, (in der Abbildung rechts oben zu sehen), nicht wie
im Inneren, (in der Abbildung links unten zu sehen), zu allen
nächsten Nachbarn wirken, sondern gerichtet ins Innere, sowie an
der Phasengrenze entlang wirken. [DOER94]
2.2.1. Thermodynamische
Betrachtung der Grenzflächenphänomene
Die
Änderung der freien Enthalpie
einer homogenen, kondensierten Phase ist nicht nur eine Funktion der
Temperatur
und des äußeren Druckes
,
sondern zusätzlich noch von den Eigenschaften der Ober- bzw.
Grenzfläche
abhängig.
Diesen
Sachverhalt veranschaulicht Gleichung 2.1:
[2.1]
Wird
aus Gleichung [2.1] das totale Differential der freien Enthalpie
entwickelt, so tritt nun die Grenzfläche
als Zustandsvariable auf:
[2.2]
Unter
isothermen (P=konstant) und isobaren (P=konstant) Bedingungen kann
Gleichung [2.2] folgendermaßen reduziert werden:
[2.3]
Näherungsweise
kann die partielle Ableitung der freien Enthalpie
als differentielle Änderung der freien Enthalpie der
kondensierten Phase nach der Ober- bzw. Grenzfläche aufgefasst
werden, weshalb die Variablen
und
eingeführt werden:
[2.4]
umgeformt
ergibt sich Gleichung [2.4] zu:
[2.5]
durch
die Symbole
und
wurde auf thermodynamischem Wege die Ober- bzw. Grenzflächenspannung
als energetische Größen definiert.
ist die differentielle Änderung der freien Oberflächen-
bzw. Grenzflächenenthalpie. Entsprechend Gleichung [2.4] ist die
Grenzflächenspannung diejenige reversible Arbeit, die unter
isothermen und isobaren Bedingungen aufzuwenden ist, um die
Grenzfläche um eine Flächeneinheit zu vergrößern.
Die
Grenzflächenschicht des Flüssigkeitstropfens wirkt quasi
als elastische Membran. Die elastische Spannung dieser Membran
verändert sich bei Variation der Größe der
Membranoberfläche. [DOER94]
2.2.2. Kontaktwinkel
Kontaktwinkel
bilden sich im Dreiphasensystem fest/flüssig/gasförmig.
Kontaktwinkel stehen für die Benetzbarkeit eines Festkörpers
mit einer auf der Oberfläche aufliegenden Flüssigkeit.
Der
Kontaktwinkel
entsteht somit an der Berührungsstelle der Oberfläche mit
der aufgebrachten Flüssigkeit und der Gasphase. Bei vektorieller
Betrachtung ergeben sich drei Oberflächenspannungen:
die Oberflächenspannung des
Festkörpers mit
(s = solid, g = Gas),
die Oberflächenspannung der
Flüssigkeit
(l = liquid, g = Gas),
sowie die Oberflächenspannung
der Grenzfläche fest/flüssig mit
(s = solid, l = liquid);
Über
ein Kräfteparallelogramm dieser drei Größen lässt
sich folgende Beziehung ableiten:
[2.6]
Aufgrund
Gleichung [2.6], die auch als Young-Gleichung bezeichnet wird, ist
der Kontaktwinkel das Ergebnis der Wirkung der drei Vektoren in Form
der Ober- bzw. Grenzflächenspannungen
,
,
.
Aus der Young-Gleichung [2.6] folgt, dass die Oberflächenspannung
des Festkörpers zugänglich wäre, dies setzt jedoch
voraus, dass die Grenzflächenspannung
messbar ist.
ist jedoch nur bei Polymeroberflächen rechnerisch mittels
halbempirischer Gleichungen abschätzbar.
Aus
der Young-Gleichung kann die Definition der Benetzungsspannung
ermittelt werden:
[2.7]
Durch
Gleichung [2.7] kann über die Differenz
der Randwinkel quantitativ bestimmt werden, da die
Oberflächenspannung der Flüssigkeit messtechnisch
zugänglich ist. Durch eine Variation des Randwinkels kann die
Benetzungsspannung sowohl positiv als auch negativ sein.
Veranschaulicht bedeutet dies, dass die Festkörperoberfläche
von der Flüssigkeit entweder benetzt, teilweise benetzt oder
nicht benetzt wird.
In
der folgenden Abbildung 2.2 sind die Vektoren der
Young-Gleichung [2.6] dargestellt. Diese Darstellung gilt für
den allgemeinen Fall der Berührung eines Flüssigkeitstropfens
mit einer Oberfläche.

Abbildung 2.2: Dreiphasenkontakt
eines auf einer Festkörperoberfläche aufliegenden
Flüssigkeitstropfens [DOER94]
Zusammengefasst
ergibt sich Folgendes:
Für
< 90° (cos( )
> 0) ist die Benetzungsspannung positiv. Der Festkörper wird
durch die Flüssigkeit benetzt.
Für
> 90° (cos( )
< 0) ist die Benetzungsspannung negativ. Der Festkörper wird
somit nicht oder nur sehr unvollständig von der Flüssigkeit
benetzt.
Für
= 180° tritt der Fall absoluter Unbenetzbarkeit ein.
Für
= 0° wird der Festkörper durch die Flüssigkeit
vollständig benetzt. Die Flüssigkeit breitet sich als
dünner Film auf der Festkörperoberfläche aus. Dieser
Vorgang wird auch als Spreitung bezeichnet.
[DOER94]

Abbildung
2.3: Benetzbarkeit und Randwinkel [MEY05]
2.2.3. Eigenschaften der
Kontaktwinkelmessung
Ein
Problem bei der Kontaktwinkelmessung ist dessen Abhängigkeit von
der Rauheit, Heterogenitäten und adsorbierten Fremdstoffen aus
der Kunststoffoberfläche.
Auf
einer ideal glatten und homogenen Oberfläche ist der
Gleichgewichtsrandwinkel bei einer makroskopischen oder
mikroskopischen Betrachtung gleich groß. Dies verhält sich
bei einer real rauen Oberfläche jedoch anders, weshalb die
Oberflächenfehler so gering wie möglich gehalten werden
sollten.

Abbildung 2.4: schematische
Darstellung einer aufgerauten Oberfläche bei der Messung des
Kontaktwinkels [DOER94]
2.3. Chemische
Verbindungstechnik
Klebstoffbegriff
nach DIN 16 920:
„Ein
Klebstoff ist ein nichtmetallischer Stoff, der Fügeteile durch
Flächenhaftung (Adhäsion) und innere Festigkeit (Kohäsion)
verbinden kann.“
Klebstoffe
gehören zur Gruppe der hochpolymeren Werkstoffe. Sie treten in
Form der Duromere, Elastomere und Thermoplaste auf.
Klebstoffe
dienen der Verbindung, Dämpfung, der Energieaufnahme, der
Kraftübertragung, der Abdichtung, sowie der Leitung von Wärme,
Licht und Elektrizität. [SCHL04]
2.3.1. Klebstoffarten
Die
Unterteilung von Klebstoffen erfolgt meist in Reaktionsklebstoffe und
physikalisch härtende Klebstoffe.
Bei
physikalisch aushärtenden Klebstoffen findet keine chemische
Reaktion bei der Aushärtung statt, da die Polymere bereits im
Ausgangszustand vollständig gebildet vorliegen. [DEL02]
In
der Praxis haben sich folgende Ordnungsprinzipien für Klebstoffe
eingebürgert:
Chemische Basis des Klebstoffes
Abbindemechanismus der
Klebstoffschicht
Polymerart der ausgehärteten
Klebstoffschicht
[SCHL04]
2.3.2. Wirkprinzipien des Klebens
Die
Haftung eines Klebstoffes basiert auf dem Zusammenspiel von
Kohäsions- und Adhäsionskräften. Wobei die Kräfte
zwischen den Klebstoff- und Bauteilmolekülen als Adhäsionskräfte
und die zwischen den einzelnen Klebstoffmolekülen untereinander
als Kohäsion bezeichnet werden. [DEL02]
2.3.2.1. Adhäsion
Unter
dem Begriff Adhäsion versteht man die Gesetzmäßigkeiten
der Haftung von Klebstoffschichten.
Unterschieden
werden in der Praxis zwei Arten:
Spezifische
Adhäsion zwischenmolekulare Kräfte im
Grenzschichtbereich; chemische Bindung zwischen
Klebstoffmolekülen und Bauteilatomen bzw.
Oberflächenmolekülen; thermodynamische Vorgänge
wie z.B. Benetzungskräfte; Diffusionsvorgänge;
Mechanische
Adhäsion Klebschichtverklammerung in
Hinterschneidungen; Vergrößerung der adhäsiven
Wirkfläche durch Optimierung der Rauheit; Anlösen oder
Anquellen der Bauteiloberfläche durch den Klebstoff zur
Erreichung einer diffusionsartigen Molekülverklammerung
zwischen Klebstoff und Bauteilwerkstoff; Mikroverklammerung durch
Reaktion von definiert aufgetragenen Schichten mit dem Klebstoff;
In
der Praxis spielt die mechanische Adhäsion eine geringere Rolle
als die spezifische Adhäsion, da der spezifischen Adhäsion
chemische Wechselwirkungen zugrunde liegen.
Die
Beschaffenheit der zu verklebenden Oberflächen hat einen großen
Einfluss auf die Adhäsion. Vor der Verklebung muss immer eine
Reinigung der Oberfläche erfolgen, damit Verunreinigungen wie
Trennmittel, Lötstopplacke, Silikone oder Hilfsstoffe aus
vorangegangenen Bearbeitungsschritten die Benetzung durch den
Klebstoff nicht behindern und damit den Aufbau von chemischen bzw.
mechanischen Wechselwirkungen unterbinden. Diese
Vorbehandlungsmaßnahmen dienen der Erhöhung der
Adhäsionskräfte. [DEL02]
2.3.2.2. Kohäsion
Unter
Kohäsion versteht man Kräfte, die den Zusammenhalt der
Klebstoffbestandteile untereinander bestimmen. Die Kohäsion
charakterisiert sowohl die Zähigkeit des Klebstoffs bei der
Verarbeitung, als auch die Festigkeit nach der Aushärtung des
Klebstoffes.
Zur
exakten Beschreibung werden folgende Wechselwirkungen herangezogen:
[DEL02]
Abbildung
2.5 gibt einen Überblick über die Wirkungsweise von
Kohäsion und Adhäsion in einem Klebstoff, der zwischen zwei
Bauteilen aufgetragen wurde. Es ist deutlich erkennbar, wie die
Kohäsionskräfte in der Mitte das „Klebstoffknäuel“
zusammenhalten und durch die Adhäsion eine Verzahnung mit der
Oberfläche erreicht wird.

Abbildung
2.5: Darstellung der Kohäsion und Adhäsion in einer
Verklebung [DEL02]
2.3.2.3. Kohäsions-
und Adhäsionsarbeit
Kohäsionsarbeit
muss aufgewendet werden, um ein einphasiges System zu trennen. Die
Kohäsionsarbeit ist definiert als die doppelte
Oberflächenenergie des flüssigen Klebstoffes
:
[2.8]
da
die zu verklebenden Oberflächen meist Festkörper sind, gilt
für diese die folgende Gleichung für die Kohäsionsarbeit:
[2.9]
mit
= Oberflächenenergie des Bauteils.
Die
Adhäsionsarbeit
ist definiert als die Arbeit, die aufgewendet werden muss, um zwei
unterschiedliche Phasen voneinander zu trennen. [DEL02]
2.3.2.4. Benetzungsverhalten
von Klebstoffen
Eine
gute Benetzung der Oberfläche mit dem Klebstoff ist
Voraussetzung dafür, dass sich die Bindungskräfte zwischen
Klebstoff und Bauteiloberfläche ausbilden können.
Deshalb
sollte folgender Grundsatz bei jeder Verklebung eingehalten werden:
„Die
Oberflächenspannung des Klebstoffes muss kleiner sein als die
des zu benetzenden Bauteils.“
Damit
dieser Grundsatz gilt, müssen die beteiligten Molekül-
bzw. Atomverbände bis zu einen Abstand von 0,1 nm bis 1 nm
angenähert werden. Nur bei diesem Abstand laufen die
Wechselwirkungen zwischen den anziehenden und abstoßenden
Dipolen.
Ob
eine gute oder schlechte Benetzung vorliegt zeigen folgende
Voraussetzungen:
gute
Benetzung:
schlechte
Benetzung:
2.3.2.5. Wichtige Eigenschaften von Klebstoffen
2.3.2.5.1. Viskosität
Das
Fließverhalten ist ein entscheidendes Auswahlkriterium für
den zu verwendenden Klebstoff.
Ein
Klebstoff soll das Bauteil gut benetzen und in vorhandene
Oberflächenvertiefungen vollständig eindringen. Dadurch
sollten möglichst niederviskose Klebstoffe mit geringer
Oberflächenspannung verwendet werden.
Die
wichtigste Größe zur Betrachtung von Klebstoffen ist die
dynamische Viskosität
, die folgendermaßen definiert ist:
[2.10]
wobei
die Schubspannung und
die Scherrate bedeuten;
im
Vergleich zu Wasser mit
zeigen Klebstoffe ein nichtnewtonsches Fließverhalten, dem
keine Gesetzmäßigkeit zugrunde liegt. Es ist vielmehr von
folgenden Punkten abhängig:
Nichtlineares
Verhältnis von Scherspannung zu Scherrate
Zeitabhängkeit
der Viskosität, d.h. mit zunehmender Scherdauer bei konstanter
Scherrate ändert sich die Viskosität
Viskoelastisches
Verhalten, d.h. der Klebstoff weist zusätzlich zu seinem
viskosen Fließverhalten die Fähigkeit auf, mechanische
Energie kurzzeitig zu speichern.
[DEL02]
2.3.2.5.2. Thixotropie
Thixotrope
Klebstoffe sind dadurch gekennzeichnet, dass sie nach dem Auftrag auf
die Oberfläche nicht mehr undefiniert zerfließen.
Während
der Scherung ändert sich die molekulare Struktur des Klebstoffs.
Die thixotropierenden Agglomerate werden in Abhängigkeit von der
Zeit und der Scherrate immer wieder getrennt, bis die
Thixotropiewirkung aufgehoben und ein konstanter Wert erreicht wird.
Wenn keine Scherung mehr wirkt, bilden sich die getrennten
Agglomerate zeitabhängig wieder aus. Je größer die
Ausbildung dieser neuen Agglomerate, desto höher die Viskosität.
[DEL02]
2.3.3. Klebbarkeit von
Kunststoffoberflächen
Die
folgende Tabelle soll einen Überblick geben, welchen Einfluss
eine Vorbehandlung (z.B. die Plasmaaktivierung) auf die zu
verklebenden Oberflächen von verschiedenen Kunststoffarten hat.
|
Kunststoffart
|
Adhäsion
|
Adhäsion
|
|
|
ohne
Oberflächenvorbehandlung
|
mit
Oberflächenvorbehandlung
|
|
PE
|
keine
Adhäsion
|
gute
Adhäsion
|
|
PP
|
keine
Adhäsion
|
gute
Adhäsion
|
|
PC
|
gute
Adhäsion
|
gute
Adhäsion
|
|
ABS
|
gute
Adhäsion
|
gute
Adhäsion
|
|
PVC
|
gute
Adhäsion
|
gute
Adhäsion
|
|
PB
|
schlechte
Adhäsion
|
gute
Adhäsion
|
|
PS
|
schlechte
Adhäsion
|
gute
Adhäsion
|
|
POM
|
schlechte
Adhäsion
|
gute
Adhäsion
|
|
PTFE
|
schlechte
Adhäsion
|
gute
Adhäsion
|
Tabelle
2.1 : Klebbarkeit von Kunststoffen
Die
Tabelle zeigt qualitativ, wie stark der Einfluss einer Vorbehandlung
ist. Bis auf wenige Ausnahmen (in diesem Beispiel PC, ABS und PVC)
ist eine Verklebung ohne vorausgegangene Vorbehandlung nicht möglich,
bzw. wird die Funktion der Verklebung stark beeinträchtigt.
[SCHL04]
2.4. Kunststoffe
2.4.1. Allgemeines
Es
gibt ein Vielzahl von unterschiedlichen Kunststoffen, die synthetisch
hergestellt werden.
Kunststoffe
lassen sich in folgende Gruppen einteilen:
Thermoplaste
bestehen aus langen linearen Molekülen. Sie sind die am
häufigsten in der Technik verwendeten Kunststoffe; sie sind
lös- und schmelzbar.
Duroplaste
sind Polymere, die in einem Härtungsprozess aus einer Schmelze
oder einer Lösung der Komponenten durch Vernetzungsreaktionen
entstehen. Dieser irreversible Vorgang wird hauptsächlich durch
Erhitzen oder über Oxidationsmittel erreicht. Erwärmung
führt bei diesen Kunststoffen nicht zu einer plastischen
Verformung. Duroplaste sind hart und spröde.
Elastomere
sind Kunststoffe die aus allen Arten von vernetztem Kautschuk
bestehen. Diese Vernetzung erfolgt meist durch Vulkanisierung mit
Schwefel. Elastomere sind weitmaschig vernetzt und sehr flexibel.
Beim Erwärmen erweichen sie nicht.
[WIKI]
2.4.2. Polyethylen und
Polypropylen
PE
und PP zählen zur Gruppe der Polyolefine. Dies sind
teilkristalline Thermoplaste, die sich durch gute chemische
Beständigkeit und elektrische Isolationseigenschaften
auszeichnen.
Es
sind zwei Formen von PE gebräuchlich:
HD-PE:
high density, d.h. es liegt eine lineare Struktur vor
LD-PE:
low density, d.h. die Strukturen sind verzweigt
Die
chemische Zusammensetzung von PE ist folgende:

Abbildung
2.6: vereinfachte Darstellung von PE aus Ethen [WIKI]
Polypropylen
PP ist ein teilkristalliner, weitgehend unpolarer Thermoplast mit
folgender chemischer Zusammensetzung:

Abbildung
2.7: chemische Formel von PP [WIKI]
Seine
Eigenschaften sind denen von PE sehr ähnlich.
2.4.3. Acrylnitril-Butadien-Styrol
Dieser
Kunststoff gehört zur Gruppe der Styrol-Polymerisate. Durch das
Zusammenwirken der verschiedenen am Aufbau beteiligten Komponenten
Styrol, Butadien und Acrylnitril bilden sich Kunststoffe mit weit
gestreuten Eigenschaften.
ABS
wird hauptsächlich in der galvanischen Oberflächenbehandlung
verwendet.
Der
Kunststoff besitzt je nach Art der Zusammensetzung der drei
verwendeten Komponenten hohe Festigkeiten und Zähigkeiten. ABS
besitzt ein amorphes Gefüge folgender chemischer
Zusammensetzung:

Abbildung
2.8: chemische Formel für ABS [WIKI]
2.4.4. Polymethylmethacrylat
Es
werden technisch zwei Arten dieses Kunststoffes unterschieden:
Hochmolekulares,
gegossenes PMMA
Niedermolekulares,
spritzgegossenes PMMA
Es
sind amorphe Thermoplaste mit geringer Wasseraufnahme.
Die
chemische Zusammensetzung ist folgende:

Abbildung
2.9: chemische Formel für PMMA [WIKI]
2.4.5. Polybutylenterephthalat
Dieser
Kunststoff gehört der Gruppe der linear, gesättigten
Polyester an. Die Thermoplaste von PBT zählen zu den
Konstruktionskunststoffen, da sie gute Masshaltigkeit bieten.
Desweiteren besitzt PBT gute Gleit- und Verschleißbedingungen,
sowie gute thermische Eigenschaften.
PBT
ist ein teilkristalliner Kunststoff mit geringer
Feuchtigkeitsaufnahme, mit folgender chemischer Zusammensetzung:

Abbildung
2.10: chemische Formel von PBT [POL02]
2.4.6. Polycarbonat
Dieser
Kunststoff vereint die Eigenschaften von Metall, Glas und
Kunststoffen, wie z.B. Steifigkeit, Schlagzähigkeit,
Transparenz, Dimensionsstabilität, gute Isoliereigenschaften und
Wärmebeständigkeit in einem Werkstoff. Verbunden mit den
vielfältigen Verarbeitungsmöglichkeiten wird dieser
Kunststoff in der Technik sehr häufig verwendet.
Das
Gefüge ist weitgehend amorph und unverzweigt mit geringer
Kristallisationsneigung. PC zählt zu den Thermoplasten.
Der
chemische Aufbau ist in folgender Abbildung 3-dimensional
dargestellt:

Abbildung
2.11: 3-dimensionale Darstellung von PC chemisch [HEL89]
2.5. Prüfmethoden
2.5.1. Kontaktwinkelmessung
Abbildung
2.12 zeigt das Messprinzip zur Ermittlung des Kontaktwinkels mit
einem Kontaktwinkelmessgerät. Es zeigt das Goniometer mit der
verstellbaren Skala (gekennzeichnet durch die Doppelpfeile) zur
Ausrichtung des Striches auf den Winkel zwischen dem
Flüssigkeitstropfen und der Oberfläche. Der Messwert kann
direkt auf dem Winkelmesser abgelesen werden.

Abbildung 2.12: Messprinzip zur
Ermittlung des Kontaktwinkels mittels eines Kontaktwinkelmessgerätes
[DOER94]
2.5.2. Zugscherprüfung
Für
die Zugscherprüfung wird die DELO-Norm 39 verwendet, die an die
DIN 54451 angelehnt ist. Diese Norm stellt eine Ergänzung der
DIN EN 1465 dar, um Proben mit 6 mm Dicke prüfen zu können.
Abweichend
von der DIN EN 1465 sind folgende Änderungen in der DELO-Norm 39
hinterlegt:
Probendicke 4 mm
Überlappungsbereich der beiden
Zugproben: 5 mm
Prüfkraft 80
kraftgeregelt
Vorkraft von 100 N
Vorkraftgeschwindigkeit 1 mm/s
Die
Zugkraft wird parallel zur Klebefläche und zur Hauptachse der
Probe aufgebracht und bis zu deren Bruch langsam erhöht.
Die
Messanordnung verdeutlicht folgende Abbildung:

5 mm
Abbildung 2.13: Überlappungsbereich
der Zugproben für die Zugscherprüfung
Das
Ergebnis, die Zugscherfestigkeit
,
wird über die Bruchkraft
nach folgender Gleichung ermittelt:
[2.11]
in
dieser Gleichung bedeuten
die gemessene Höchstkraft bzw. Bruchkraft und
die Klebefläche;
=
5 mm und
= 20 mm.
2.5.3. Gitterschnitttest
Um
die Lackhaftung zu überprüfen wird die Gitterschnittmethode
angewandt.
Dieses
Verfahren beruht auf der DIN EN ISO 2409.
Der
Gitterschnitt ist eine empirische Prüfung zur Beurteilung von
ein- und mehrschichtigen Lackierungen.
Den
Mechanismus der Gitterschnittprüfung veranschaulicht folgendes
Schema:
 |
Teilbild 1
Teilbild 2
Teilbild 3
|
Abbildung
2.15 Schema zur Enthaftung bei Mehrschneidprüfgerät
[GOL02]
Teilbild 1: In der
Ausgangsphase liegt das Gitterschnittgerät auf der Oberfläche.
Der Indentor ist ein Teil der Schneidvorrichtung.
Teilbild 2: in der
Eindringphase dringen die Schneiden in die Lackschicht ein und
verursachen Ritzen in dieser Schicht.
Teilbild 3: in der
Ablösungsphase ist die Schneide bis auf das Grundmaterial
vorgedrungen. Bei diesem Vorgang wird die Lackschicht komplett
durchtrennt.
Zur
Auswertung des Gitterschnitts wird ein Klebeband definierter
Haftkraft (Tesafilm) auf die zu prüfende Oberfläche geklebt
und mit möglichst gleichmäßiger Abzugsgeschwindigkeit
abgezogen. Durch Vergleich mit den Bildern der Abbildung 2.15
werden die Gitterschnittkennwerte Gt0 bis Gt5 vergeben. [GOL02]
Die
Auswertung erfolgt gemäß folgendem Schema:

Abbildung
2.15: Auswertungsschema für Gitterschnittprüfung [GPL02]
|